Embassy setzt auf die MwSt. und steigt in das Lagerwesen ein

Embassy Industrial Parks baut und vermietet Flächen in der Nähe großer Städte, so der Geschäftsführer Anshul Singhal


25th August, 2015

Der Artikel erschien zuerst in Live Mint am 25. August 2015 Von – Madhurima Nandy

Investitionen in die Lagerbranche in Indien kommen langsam in Gang, da Firmen eine Revolution im Logistikbereich erwarten, sobald das bestimmungsort-basierte Steuersystem der Mehrwertsteuer (Goods and Services Tax) ins Spiel kommt. Der Immobilienentwickler Embassy Group hat sich vor kurzem eine neue Geschäftsmöglichkeit für den Bau von Lager- und Industrieparks eröffnet.

Embassy Industrial Parks Pvt. Ltd, das in Bengaluru ansässige Unternehmen mit einem von der Blackstone-Gruppe finanzierten Immobilienportfolio, hat Anshul Singhal zum Geschäftsführer bestellt. Das neue Unternehmen baut und vermietet Flächen in der Nähe großer Städte und möchte Branchen wie Verbrauchsgüter, Einzelhandel, E-Commerce, Automobilzulieferer und Bekleidung bedienen, so Singhal in einem Interview.

Die Firma agiert nach dem Mietmodell, das die Gruppe bereits bei ihren Informationstechnologieparkprojekten angewandt hat.

Embassy Industrial Parks ist auch eine Partnerschaft mit dem in Kanada ansässigen Immobilieninvestor Brookfield Asset Management, Inc. eingegangen, um ein über 80 Hektar großes Grundstück in Sriperumbudur bei Chennai zu erschließen. Bei dem objektspezifischen Geschäft erwarb Embassy eine Beteiligung an dem Grundstück, das Brookfield gehörte.

Embassy wird individuell zugeschnittene Industrie- und Lagergebäude errichten und auch Gewerbegrundstücke verkaufen. Die gesamten Projektkosten belaufen sich auf ca. 5,5 Milliarden Rupien und die Erschließung wird etwa fünf Jahre dauern.

„Embassy Industrial Parks möchte in den nächsten fünf Jahren fast 93 Hektar bebauen und vermieten. In der ersten Phase stellen wir sicher, dass wir gute Grundstücke in Schlüsselmärkten besetzen – in der Nähe von Städten wie Mumbai, Delhi, Bengaluru, Chennai und Pune, die eine Mischung aus Konsumzentren und aktiver Industriepräsenz darstellen“, so Singhal.

Brookfield lehnte einen Kommentar zu dem Geschäft ab.

„Es handelt sich um ein Joint Venture mit Gewinnteilung zwischen Brookfield und Embassy mit dem Plan, erstklassige Lagereinrichtungen zu bauen. Das Projekt befindet sich in der Planungs- und Entwurfsphase“, so eine mit der Entwicklung vertraute Person, die nicht namentlich genannt werden möchte.

Abgesehen davon plant Embassy Industrial Parks auch, rund 200 Millionen US-Dollar Kapital von der Privatkapitalgesellschaft Warburg Pincus zu erhalten. Das Geld wird in zwei Tranchen von je 100 Millionen Dollar aufgebracht; auch die Embassy-Gruppe wird ca. 60 Millionen US-Dollar in zwei gleichen Teilbeträgen beisteuern. Das Geschäft, eine sogenannte Blindpool-Investition der zwei Partner, bei der sie nach Grundstücken und Entwicklungsprojekten Ausschau halten, befindet sich in einem fortgeschrittenen Stadium.

Warburg Pincus antwortete nicht auf eine Anfrage per E-Mail.

Dies ist der zweite Versuch der Embassy Group, ein Geschäft in der Lagerbranche aufzubauen. Beim Global Investors’ Summit 2012 in Bengaluru hatten die Immobilienfirma und die Maini-Gruppe, der Hersteller des Elektroautos Reva, die Gründung eines gemeinschaftlichen Lager- und Logistikunternehmens verkündet. Der Plan wurde später jedoch auf Eis gelegt. Bei dem neuen Versuch hält die Maini-Gruppe eine Beteiligung von 10 % an Embassy Industrial Parks, so Jitu Virwani, Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer der Embassy-Gruppe.

Embassy plant drei verschiedene Angebotsformate bei dem neuen Geschäft: den Bau von Industrieparks auf 20-80 Hektar großen Grundstücken in der Nähe wichtiger Städte, die Errichtung von Fabriken oder Anlagen für internationale Firmen und die Unterstützung von Firmen bei ihren Expansionsplänen, indem sie gegen langfristige Pachtverträge baut.

„Das Lagerwesen befindet sich deutlich auf Wachstumskurs und wir werden den Einstieg besser organisierter Akteure in diesen stark fragmentierten Sektor erleben. Die indische Lagerbranche wird durch die geplante Einführung der Mehrwertsteuer und das explosive Wachstum im E-Commerce-Segment einen starken Aufschwung erleben“, erläutert Manish Sharma, Partner und Leiter für Logistik bei der Beratungsfirma PwC India. Sobald die Mehrwertsteuer Realität ist, wird sie zur Entstehung großer Lagerzentren führen und den organisierten Bereich dazu ermutigen, aggressiver in diesem Geschäftsfeld aufzutreten, so Sharma.

Von dem landesweiten Steuersystem verspricht man sich eine Erleichterung für ein effizientes Transportwesen über Bundesstaaten hinweg und eine Reduzierung der Logistikkosten. Indiens Lagerbedarf soll von 85 Mio. Quadratmeter im Jahr 2014 jährlich um 9 % auf 133 Mio. Quadratmeter steigen, so die Immobilienberatung Knight Frank 2014 in einem Bericht.

Der wachsende Internethandelssektor wird ebenfalls Lagerinfrastruktur in der Nähe von Konsumzentren benötigen. Derzeit verfügen die meisten Online-Handelsunternehmen über eigene Logistikfirmen, aber mit zunehmender Größe und Komplexität werden Drittanbieter aktiver, erklärte Sharma.

Obwohl die Verfassungsänderung zur Einführung der Mehrwertsteuer in der Monsun-Sitzungsperiode des Parlaments vorgelegt wurde, nachdem eine Kommission ihren Bericht abgeliefert hatte, kam sie nicht durch, da die Opposition das Gesetz blockierte.

Die Regierung plant nun, nächsten Monat eine spezielle Parlamentssitzung einzuberufen, um das Gesetz zu verabschieden. Da sich jedoch der Kongress weiterhin gegen den Gesetzentwurf stellt, scheint seine Verabschiedung schwierig. Er wird auch die von der Regierung festgelegte Umsetzungsfrist bis zum 1. April kippen.

Remya Nair in Neu-Delhi leistete einen Beitrag zu diesem Artikel.